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Stefan Rahner

Werner Mannsfeldt: Tobacco farmers near Xanthi 1938

Werner Mannsfeldt, <em>Tobacco Farmers near Xanthi 1938</em>, photo, collection: Museum der Arbeit/SHMHWerner Mannsfeldt, Tobacco Farmers near Xanthi 1938, photo, collection: Museum der Arbeit/SHMH

Hamburg photographer Werner Mannsfeldt encountered these Tabakbauern in der Nähe von Xanthi (tobacco farmers near Xanthi) in northern Greece. In 1937 and 1938, he had been commissioned by the cigarette company Reemtsma to take two trips to the “tobacco Orient” in Greece and Bulgaria to capture the regional tobacco industry in images. Above all, however, the assignment’s intent was to produce attractive pictures of the countryside and its inhabitants for use in advertising. In 1939, Mannsfeldt’s photographs illustrated an advertising campaign for R6, Reemtsma’s best-selling brand; the campaign covered everything from traditional tobacco cultivation to the modern means of production in Hamburg.

Thirty-one years of age at the time of the first trip, Werner Mannsfeldt had begun taking pictures of the production facilities at two plants, in Bahrenfeld and Wandsbek, for the company in the mid-1930s; these he shot in the New Objectivity style. Prior to that, he had managed the laboratory of the well-known Fachgeschäft für Kleinbildphotographie Schroeder, a specialty shop for small-format photography, in Mohlenhof, for which he also conducted the popular Leica photography courses for amateur photographers. From the two trips, he returned with about 1,600 negatives in 35 mm and 6×6 format, which are now housed at the Museum der Arbeit in Hamburg.

Mannsfeldt's images—among them tourist views of the port city of Cavalla, a wedding party in Thessaloniki, the Bulgarian monastery of Rizla—display the photographer's fascination with the peoples and cultures he encountered on his travels. The tobacco farmers returning from the fields with their donkeys, shot from below, gaze at the viewer with an air of dignity; Mannsfeldt photographs them as representative of an ancient culture deeply connected to the rhythm of nature and a knowledge of tobacco gained over centuries.

Many refugees from western Turkey settled in the region of northern Greece around Xanthi, Cavalla, and Drama, after having been expelled in 1922 during the forced resettlement of the Greek Orthodox population in the aftermath of the Greek-Turkish war. They brought with them the seeds of the celebrated tobacco varieties from the area around Smyrna (now İzmir), which had been cultivated there for generations. Concerned with the preservation of these noble varieties, David Schnur, a tobacco expert and partner in the Reemtsma company, supported the newly settled farmers and, in 1923, bought the first harvest from the new fields. This informed Reemtsma's advertising department’s legendary “harvest of the century,” which, according to the company, David Schnur alone had recognized; from it came the Ernte 23 (harvest 23) brand of tobacco. For a long time, the company was able to establish itself as the region’s most important trading partner in the tobacco industry, ahead of the US companies that had previously dominated the market in western Turkey.

During his travels, Mannsfeldt photographed not only cultivation but also work in the tobacco warehouses, where the various types of leaves of various provenance were sorted carefully by hand, artfully tied into bales, and stored for fermentation. A few years earlier, however, the major Western European and US cigarette companies had streamlined their manufacturing processes and dispensed with this manual sorting work in the local tobacco warehouses, which was performed with great expertise but was expensive. This made a whole class of highly skilled workers redundant; they were replaced in the handling plants with cheaper, less-skilled labor. In mid-1930s Greece, this led to enormous unrest and resulted in fierce but ultimately unsuccessful strikes. Here, a process typical of asymmetric colonial trade relations was repeated: the devaluation of local manufacturing processes and the shift of value creation to Western consumer nations.

Mannsfeldt's tourist travel photos brought the imagery of a foreign, exotic culture to Germany; even in their usage as elements of print advertising, however, the images still convey a sense of the photographer’s fascination for his subjects. From the perspective of today, however, they appear like a strange blueprint for the invasion and occupation of Greece a few years later by the Wehrmacht, whose objectives included the takeover of the tobacco industry.

When Reemtsma relaunched its pre-war Gelbe Sorte (yellow variety) brand in 1954, Mannsfeldt's photograph of the tobacco farmers of Xanthi was once again used in an ad campaign designed to link the brand's image with the centuries-old tobacco traditions of the East. Soon after, they were replaced by images by René Burri, who as a young Magnum photographer was also sent to Greece and Turkey by Reemtsma.

Werner Mannsfeldt: Tabakbauern in der Nähe von Xanthi 1938

Der Hamburger Fotograf Werner Mannsfeldt begegnete diesen „Tabakbauern in der Nähe von Xanthi“ in Nordgriechenland. Er war im Auftrag des Zigarettenkonzerns Reemtsma 1937 und 1938 auf zwei Reisen in den „Tabakorient“ nach Griechenland und Bulgarien geschickt worden, um dort Aufnahmen der ansässigen Tabakwirtschaft anzufertigen. Vor allem ging es bei dem Auftrag aber um attraktive Bilder von Land und Leuten, die in der Werbung zum Einsatz kommen sollten. Seine Fotografien illustrieren dann auch 1939 eine Anzeigenkampagne für die verkaufsstärkste Reemtsma-Marke „R6“, die den Bogen von dem traditionellen Tabakanbau bis zur modernen Fertigung in Hamburg spannte.

Werner Mannsfeldt, zum Zeitpunkt der ersten Reise 31 Jahre alt, hatte Mitte der 1930er Jahre begonnen, für das Unternehmen neusachliche Bilder von den Produktionsanlagen in den beiden Werken in Bahrenfeld und Wandsbek zu fotografieren. Zuvor hatte er das Labor des bekannten „Fachgeschäft für Kleinbildphotographie Schroeder“ im Mohlenhof geleitet, für das er auch die beliebten Leica-Fotokurse für Amateurfotografen durchführte. Von den beiden Fotoreisen brachte er ca. 1.600 Negative in KB und 6x6 mit, die sich heute im Museum der Arbeit befinden.

Aus den Bildern von Mannsfeldt – touristische Ansichten der Hafenstadt Cavalla, eine Hochzeitsgesellschaft in Thessaloniki oder das bulgarischen Kloster Rizla – spricht eine große Faszination des Fotografen für die Menschen und die fremde Kultur, die er vorfand. Auch die Tabakbauern, die mit ihrem Eseln von den Feldern zurück kommen und würdevoll auf den Betrachter herabblicken, fotografierte er als Vertreter einer uralten Kultur, die tief verbunden war mit dem Rhythmus der Natur und dem über Jahrhunderte gewonnen Wissen um den Tabak.

In dieser Region in Nordgriechenland um Xanthi, Cavalla und Drama herum hatten sich viele Flüchtlinge aus der Westtürkei niedergelassen, die von dort 1922 bei der Zwangsumsiedlung der griechisch-orthodoxen Bevölkerung nach dem griechisch-türkischen Krieg vertrieben worden waren. Sie brachten die Samen der berühmten Tabaksorten aus der Umgebung von Smyrna (heute Izmir) mit, die dort über Generationen kultiviert worden waren. David Schnur, Tabakexperte und Teilhaber von Reemtsma, hatte aus Sorge um die Erhaltung der edlen Sorten die neuangesiedelten Bauern unterstützt und 1923 ihre erste Ernte auf den neuen Feldern aufgekauft. Die Werbeabteilung von Reemtsma kreierte daraus die Legende um eine „Jahrhunderternte“, die nur David Schnur aufgespürt und zur Grundlage einer eigenen Marke, der „Ernte 23“, gemacht habe. Auf lange Zeit konnte sich das Unternehmen als wichtigster Handelspartner der Tabakwirtschaft in der Region etablieren, noch vor den amerikanischen Unternehmen, die den Markt in der Westtürkei dominiert hatten.

Mannsfeldt fotografierte auf seinen Reisen neben dem Anbau auch die Arbeit in den Tabaklagern, in denen die verschiedenen Blattarten und Provenienzen sorgfältig von Hand sortiert, kunstvoll zu Ballen gebunden und für die Fermentation gelagert wurden. Allerdings hatten wenige Jahre zuvor die großen westeuropäischen und amerikanischen Zigarettenunternehmen ihre Fertigungsmethoden rationalisiert und verzichteten inzwischen auf diese mit großer Kennerschaft ausgeführte, aber teure Sortierarbeit in den örtlichen Tabaklagern. Damit wurde eine ganze Gruppe von hochqualifizierten Facharbeitern in den Manipulationsanstalten überflüssig und durch billigere angelernte Arbeitskräfte ersetzt. In Griechenland führte dies Mitte der 1930er Jahren zu enormen Unruhe und heftig geführten, aber letztlich erfolglosen Streiks. Hier wiederholte sich ein Vorgang, der typisch für asymmetrisch-koloniale Handelsbeziehungen ist: die Entwertung örtlicher Verarbeitungsprozesse und die Verlagerung von Wertschöpfung in die westlichen Abnehmerländer.

Die touristischen Reisefotos von Werner Mannsfeldt brachten die Bilderwelt einer fremden, exotischen Kultur nach Deutschland, die auch als gedruckte Werbemotive immer noch die Faszination transportieren, die er empfunden hat. Gleichzeitig wirken sie aus heutiger Sicht aber wie eine seltsame Blaupause für den wenige Jahre später erfolgten Überfall und die Besetzung Griechenlands durch die deutsche Wehrmacht, zu deren Kriegszielen auch die Übernahme der Tabakwirtschaft gehörte.

Als Reemtsma 1954 die Vorkriegsmarke „Gelbe Sorte“ wieder auf den Markt brachte, wurde Werner Mannsfeldts Aufnahme von den Tabakbauern aus Xanthi erneut für eine Anzeigenkampagne verwendet, die das Markenimage mit der jahrhundertealten Tabaktradition des Orients verbinden sollte. Bald danach wurden sie durch Motive von René Burri abgelöst, der als junger Magnum-Fotograf ebenfalls von Reemtsma nach Griechenland und in die Türkei geschickt wurde.

© 2021 8th Triennial of Photography Hamburg 2022 and the author

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